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Radikalisierung

Radikalisierung verläuft in einem Prozess. Er läuft von Person zu Person unterschiedlich ab, immer in Abhängigkeit von den jeweiligen persönlichen Gegebenheiten.

In einem Radikalisierungsprozess nimmt eine Person nach und nach eine radikale Haltung an, d. h. sie bezieht sich auf Werte und Ansichten, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen. Radikale Forderungen sind unbequem, da sie die Gesellschaft herausfordern. Hierin kann auch eine Chance liegen, das Gegebene zu hinterfragen bzw. sich immer wieder damit zu identifizieren.

Problematisch wird es, wenn der Radikalisierungsprozess so weit fortschreitet, dass sich radikale Positionen in extremistische Haltungen steigern und der Radikalsierte sich z. B. für die Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung einsetzt oder gar mittels Gewalt und Terror Staat und Gesellschaft verändern will. Ein Radikalisierungsprozess kann, muss aber nicht zwangsläufig in Extremismus und Gewalt enden.

Radikalisierungsverläufe sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie durchlaufen. Es gibt kein Raster, anhand dessen man einen Radikalisierten auf dem Weg zum Extremisten klar einordnen kann. Die Fragen nach dem "wie?“ und "warum?“ bleiben.

Es gibt verschiedene individuelle und soziale Einflussfaktoren, die zu einer Radikalisierung beitragen können. Extremisten richten ihre Versprechungen von Anerkennung, Gemeinschaft und Geborgenheit an Menschen aus schwierigen familiären Verhältnissen oder mit Ausgrenzungserfahrungen. Gerade im Bereich des Islamismus spielen Diskriminierungserfahrungen und die wahrgenommene "Islamfeindlichkeit“, nicht zuletzt von rechtsextremistischer Seite befeuert, eine wichtige Rolle. Ausgrenzungen und Anfeindungen aufgrund der Herkunft und/oder Religion bieten Islamisten einen Anknüpfungspunkt, um insbesondere junge Menschen mit einer starken Identifikation als "wahrer Muslim“ eine neue Gemeinschaft zu bieten.

Ausgangspunkt für eine Radikalisierung ist meistens, dass ein Bedürfnis, sei es nach Anerkennung, Gemeinschaft, Orientierung oder Identität, von Extremisten aufgenommen und befriedigt wird. Die gefühlte Krise wird durch eine einfach gestrickte Ideologie überbrückt.

Im Radikalisierungsprozess spielt das Internet eine wichtige Rolle. Sehr oft begegnen Menschen der salafistischen Ideologie erstmals auf einschlägigen Websites oder in YouTube-Videos, die zunächst nicht als extremistisch zu erkennen sind. Über Links werden Interessierte häufig Schritt für Schritt an immer radikalere Seiten herangeführt. Hinzu kommen persönliche Kontakte zu Personen in islamistischen/salafistischen Szenen über soziale Netzwerke im Internet wie Facebook und Messengerdienste wie WhatsApp. Mittels solcher niedrigschwelliger Kommunikationsmöglichkeiten können Kontakte in einschlägige extremistische Kreise vermittelt oder ausgebaut werden. Der persönliche Kontakt zu Personen, die bereits islamistisch/salafistisch radikalisiert sind, ist ein wesentlicher Faktor im Radikalisierungsprozess, sowohl über Internetanwendungen als auch außerhalb des Netzes. Oftmals sind es charismatische Einzelpersonen, die jungen Menschen, die auf der Suche nach Sinn, Anerkennung und Zugehörigkeit sind, an sich binden und an extremistische Szenen heranführen.


Weitere Informationen:

Peter Neumann (2014), Radikalisierung, Deradikalisierung und Extremismus:

http://www.bpb.de/politik/extremismus/radikalisierungspraevention/211827/die-begriffe-radikalisierung-deradikalisierung-und-extremismus

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