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Glossar

(Al-wala wa-l-bara (Loyalität und Lossagung): Für Salafisten gilt die Loyalität Gott allein. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sie sich von allem lossagen, was ihrer Meinung nach vom aus ihrer Sicht wahren Glauben und richtigen Weg ablenkt. So gilt es zum Beispiel, Kontakte zu Nicht-Muslimen oder Muslimen, die eine andere Auffassung vom Islam vertreten - dazu zählen im Ernstfall sogar Mitglieder der eigenen Familie -, zu vermeiden. Mit dem Konzept der Loyalität und Lossagung teilen Salafisten die Welt also in zwei gegensätzliche Lager: Auf der einen Seite sie selbst, die vermeintlich wahren Muslime, auf der anderen Seite die Ungläubigen (arab. kuffar). Salafisten grenzen sich auf diese Weise bewusst von der Mehrheitsgesellschaft ab und bewegen sich - soweit irgend möglich - in ihren eigenen Kreisen.

Da`wa (Einladung, Missionierung): Der Islam ist wie das Christentum eine Religion, für die Missionierung integraler Bestandteil ist. Gerade Islamisten und politische Salafisten nutzen das Prinzip intensiv, um neue Anhänger zu gewinnen. Mission tritt dabei in vielfacher Form auf: von karitativen Aktionen über Islamlehrgänge und direkter Ansprache auf der Straße bis hin zur Überzeugungsarbeit in Internetforen. Der Grundgedanke besteht darin, die Gesellschaft von unten schrittweise nach islamistischen Vorstellungen umzubauen, indem die Menschen vom vermeintlich richtigen Islam überzeugt werden bzw. zum Islam konvertieren.

Halal/haram (erlaubt/verboten): Im Islam gibt es mehrere Kategorien, um Handlungen zu beurteilen. Gerade Salafisten teilen Handlungen streng danach ein, ob sie aus religiöser Sicht erlaubt oder verboten sind und sie richten ihren Alltag kompromisslos danach aus. Dahinter steht der Gedanke, jede Handlung an den Geboten - wie Salafisten sie interpretieren - auszurichten, um Gottes Gefallen zu finden. Jegliche Abweichung wird als "Sünde" qualifiziert und entfernt den Gläubigen in dieser Vorstellung von Gott.

Jihad: Jihad, wörtlich "Anstrengung", bedeutet nach mehrheitlicher Auffassung, den Kampf gegen die inneren Unzulänglichkeiten zu führen (sog. Großer Jihad). Der Jihad, der vor allem von jihadistischen Salafisten propagiert wird, ist der militärische Jihad gegen die vermeintlichen Feinde des Islams (sog. Kleiner Jihad). Zeitgenössische Jihadisten behaupten, dass es die individuelle Pflicht eines jeden Muslims sei, den militärischen Jihad zu führen. Nach traditioneller Auffassung ist Muslimen der militärische Jihad nur im Verteidigungsfall erlaubt und geboten. Jihadistische Salafisten konstruieren diesen Verteidigungsfall, indem sie behaupten, der Westen bzw. deren Verbündete befänden sich in einem dauerhaften Krieg, um den Islam zu vernichten.

Kafir/kuffar (Ungläubiger/Ungläubige): Salafisten verwenden die Begriffe standardmäßig für Nichtmuslime und Muslime, denen sie vorwerfen, vom richtigen Glauben abgefallen zu sein und die daher in den Augen der Salafisten als exkommuniziert zu betrachten sind (vgl. takfir).

Kalif/Kalifat (Nachfolger/vom Kalif beherrschtes Reich): Die Begriffe leiten sich von der arabischen Wurzel für "nachfolgen" her; gemeint ist damit konkret die Nachfolge des Propheten Muhammad in seiner politischen und religiösen Funktion als Oberhaupt der islamischen Gemeinschaft. Dementsprechend ist das Kalifat historisch das von Muslimen beherrschte Territorium unter der Herrschaft eines Kalifen. 1924 wurde das Kalifat von der türkischen Regierung offiziell abgeschafft. De facto zerfiel die Idee eines einheitlichen Kalifats für die muslimisch beherrschten Gebiete bereits ab dem zehnten Jahrhundert. Für manche islamistischen Bewegungen und für Salafisten ist das Kalifat, so wie es zu Zeiten Muhammads und seiner unmittelbaren Nachfolger existierte, die ideale und einzig legitime Herrschaftsform, in der Muslime gottgefällig und zufrieden leben können. Entsprechend bedeutsam war die Ausrufung des Kalifats durch den sogenannten Islamischen Staat als Sehnsuchtsort vieler, vor allem junger Muslime.

Koran und Sunna: Die Hauptquellen im Islam sind der Koran und die Sunna. Der Koran ist die Heilige Schrift des Islams. Muslime glauben, dass er das an die Menschen gesandte Wort Gottes sei. Der Begriff Sunna bedeutet wörtlich "Tradition". Sie beinhaltet die Gesamtheit der Überlieferungen von Worten, Taten und Unterlassungen des Propheten Muhammad und seiner engen Gefährten. Die einzelne Überlieferung wird als hadith bezeichnet.

Ridda/irtidad (Apostasie): Die Begriffe beschreiben die Lossagung von Muslimen vom Islam bzw. die Konversion zu einer anderen Religion. Nach klassischer Auffassung ist es Menschen, die als Muslime geboren sind oder den Islam angenommen haben, nicht möglich, sich vom Islam loszusagen. Einem Abtrünnigen (arab. murtadd) droht die Todesstrafe. Salafisten erklären Muslime, die nicht ihrer Auffassung des Islams folgen, regelmäßig zu Apostaten und erklären sie zu Ungläubigen (vgl. takfir). Damit legitimieren sie Gewalt und die Anwendung der Todesstrafe.

Scharia: Die Scharia (von arab. "Weg") beinhaltet alle Normen und Gebote, die den Gläubigen zu Gott führen sollen. Sie basieren auf den religiösen Hauptquellen Koran und Sunna sowie auf den daraus abgeleiteten Rechtsmeinungen und Interpretationen. Abgedeckt sind so unterschiedliche Bereiche wie die genaue Ausübung der rituellen Pflichten, Normen des gesellschaftlichen Zusammenlebens und im engeren Sinne juristische Bestimmungen. Bei der Scharia handelt es sich daher nicht um ein kodifiziertes Gesetzbuch, sondern um ein umfangreiches und zu einem gewissen Teil auch variierendes Korpus an Normen.

Schirk (Vielgötterei, Polytheismus): Der Begriff schirk (wörtlich "Beigesellung") steht dem Monotheismus-Prinzip des tauhid diametral entgegen. Insbesondere im Salafismus werden alle Prinzipien, die aus sich heraus absolute Gültigkeit beanspruchen und nicht direkt aus den Schriften hergeleitet werden können, als "Beigesellung" betrachtet. Dazu gehören z. B. die demokratische Herrschaftsform und die universellen Menschenrechte. Auch andere Religionen sowie manche religiöse Richtungen innerhalb des Islams, insbesondere mystische Strömungen, werden von Salafisten häufig als schirk qualifiziert.

Sunnitischer und schiitischer Islam: Die beiden Hauptströmungen innerhalb des Islams gehen auf Streitigkeiten der frühen Muslime zurück, wer nach dem Tod des Propheten dessen Nachfolge als spirituelles und politisches Oberhaupt der Gemeinde übernehmen sollte. Die späteren Schiiten (von arab. schi'at Ali = Partei Alis) bestanden darauf, dass der Nachfolger aus der Familie des Propheten stammen solle. Sie stellten mit dem Schwiegersohn und Cousin des Propheten Ali den vierten Kalifen, verloren dann jedoch die Macht an die Umayyaden, denen die späteren Sunniten folgten. Aus der anfangs eher politischen Auseinandersetzung entwickelten sich die beiden Gruppen im Laufe der Zeit auch religös auseinander, sodass man von zwei Hauptströmungen innerhalb des Islams sprechen kann, die sich wiederum ihrerseits in mehrere Gruppen und Strömungen aufspalten. Dabei gehört mit ca. 90 % weltweit die deutliche Mehrheit der Muslime dem sunnitischen Islam an, die verschiedenen schiitischen Richtungen stellen ca. 10 % mit Schwerpunkten im Iran, Irak, Libanon und auf der Arabischen Halbinsel.

Takfir (Exkommunizierung): Insbesondere Jihadisten nutzen dieses Konzept, um jene Muslime, die nicht der salafistischen Ideologie folgen, zu Ungläubigen zu erklären. Damit werden sie aus jihadistischer Perspektive zu Feinden des Islams, sodass Gewaltanwendung gegen sie religiös legitimiert werden kann.

Tauhid (Monotheismus): Lehre von der absoluten Einheit und Einzigkeit Gottes. Daraus folgt das Verbot, Gott etwas "beizugesellen" (arab. schirk).



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