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Begriffe und Konzepte


Salafisten nutzen zur Propagierung ihrer Ideologie Begriffe und Konzepte, die teilweise auch im Islam verankert sind. Sie politisieren diese eigentlich religiös besetzten Begriffe und laden sie ideologisch auf, sodass sie einen extremistischen Inhalt bekommen. Nicht zuletzt durch ihre starke mediale Präsenz erringen Salafisten mit ihren Aussagen über allgemein islamische Begriffe und Konzepte die Deutungshoheit über deren Verständnis. Auf diese Weise prägen Salafisten das Bild, das sich die Öffentlichkeit über den Islam macht, oftmals einseitig. Folgende Begriffe und Konzepte nutzen Salafisten regelmäßig zur Legitimierung ihrer Ideologie:

Tauhid (Monotheismus): Das zentrale Konzept in der salafistischen Ideologie ist der tauhid, die Lehre von der absoluten Einheit und Einzigkeit Gottes, die im Islam allgemein eine herausragende Stelle einnimt. Salafisten überspitzen und politisieren dieses Prinzip. Sie fordern mittels des tauhid alle Muslime auf, ihr gesamtes Handeln auf Gott auszurichten und sich seinen Geboten widerspruchslos zu unterwerfen. Darüber hinaus leiten Salafisten aus dem tauhid-Prinzip ab, dass Gott die absolute Herrschaft und gesetzgebende Gewalt zukomme. Gott sei somit der alleinige Souverän und die Scharia das von ihm offenbarte und damit einzig legitime Gesetz. Folglich lehnen Salafisten die parlamentarische Demokratie, also die Volkssouveränität und die von Menschen gemachten Gesetze, strikt als unislamisch ab.

Schirk (Vielgötterei, Polytheismus): Der Begriff schirk steht dem Monotheismus-Prinzip des tauhid diametral entgegen. Ebenso wie tauhid beziehen Salafisten schirk keineswegs nur auf die religiöse Sphäre. Salafisten bezeichnen die Demokratie als eine Gegenreligion zum Islam, da die Volkssouveränität die von ihnen geforderte absolute Unterwerfung unter Gott unterlaufe. Die Demokratie sei deshalb gleichbedeutend mit einer Götzenherrschaft. Salafisten erklären jegliche Formen demokratischer Herrschaft als für Muslime unbedingt zu meidenden schirk. Auch andere Religionen sowie viele Strömungen und religiöse Praktiken innerhalb des Islams werden von Salafisten als schirk qualifiziert.

Takfir
(Exkommunizierung): Insbesondere im jihadistischen Salafismus spielt das takfir-Konzept eine wichtige Rolle. Jihadisten nutzen dieses Konzept, um jene Muslime, die nicht der salafistischen Ideologie folgen, zu Ungläubigen zu erklären. Damit werden sie aus jihadistischer Perspektive zu Feinden des Islams, sodass Gewaltanwendung gegen sie religiös legitimiert werden kann.

Al-wala wa-l-bara (Loyalität und Lossagung): Mit dem Konzept al-wala wa-l-bara, das so viel wie Loyalität zum Glauben und Lossagung vom Unglauben bedeutet, fordern Salafisten die absolute Loyalität zu Gott und die Abkehr von jeglichen privaten und politischen Kontakten und Allianzen zu bzw. mit Nicht-Muslimen. Jihadistische Salafisten ziehen aus der Lossagung auch die Pflicht, jene muslimischen Herrscher zu bekämpfen, die angeblich unislamisch regieren, indem sie etwa menschengemachte Gesetze anwenden.
Mit dem Konzept der Loyalität und Lossagung teilen Salafisten die Welt in zwei gegensätzliche Lager: Auf der einen Seite sie selbst, die vermeintlich wahren Muslime, auf der anderen Seite die "Ungläubigen" (arab. kuffar), als welche sie sowohl Muslime bezeichnen, die ein anderes als das salafistische Islamverständnis haben, als auch Nicht-Muslime jedweder Religion oder Weltanschauung. Salafisten grenzen sich auf diese Weise bewusst von der Mehrheitsgesellschaft ab. Die Lossagung zieht sich bis in die Familien hinein: Salafistische Prediger fordern oft von ihren Anhängern, dass sie sich selbst von ihren engsten Familienangehörigen abzuwenden hätten, sofern diese nicht auch die Lebensweise der Salafisten übernähmen.
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