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Strömungen im Salafismus


Der Salafismus lässt sich in eine politische und eine jihadistische Ausprägung aufschlüsseln. Bisweilen, außerhalb der Sicherheitsbehörden, wird eine zusätzliche Ausprägung angeführt, die des puristischen Salafismus. Die Übergänge zwischen den drei Formen des Salafismus sind fließend.

Politische Salafisten versuchen, ihre Ideologie durch intensive Propagandatätigkeiten zu verbreiten. Diese Bemühungen bezeichnen sie als da`wa, was übersetzt "Einladung“ (zum Islam) bedeutet und mit Missionierung umschrieben werden kann. Sie zielen damit auf eine langfristige Veränderung der Gesellschaft. Gewalt zur Erreichung ihrer Ziele lehnen politische Salafisten in der Regel ab und distanzieren sich auch zumeist vom Terrorismus. Doch ist Gewalt strukturell in der salafistischen Ideologie angelegt. So befürworten Salafisten etwa die Durchsetzung von religiös begründeten Körperstrafen in dem von ihnen angestrebten Staatssystem, z. B. das Abtrennen von Gliedmaßen bei Diebstahl, Auspeitschungen oder Todesstrafe bei von ihnen als illegitim/verboten angesehenen Liebesbeziehungen, Tötung im Falle von Apostasie etc.

Jihadistische Salafisten setzen vor allem auf das Mittel der Gewalt, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Sie sind der Auffassung, dass der bewaffnete Kampf (Jihad) gegen die Feinde des Islams eine individuelle Pflicht eines jeden Muslims sei. Ihr Kampf richtet sich nicht nur gegen den Westen, sondern auch gegen politische Führer in islamisch geprägten Staaten. Ihnen werfen Salafisten vor, vom Islam abgefallene Marionetten des Westens zu sein. Vielfach werden Muslime so zu Zielen jihadistischer Gewalt.

Puristische Salafisten sind apolitisch und nicht militant. Sie fokussieren in erster Linie auf ihre religiöse Glaubenspraxis.

Das politische Ziel und die ideologischen Grundpositionen von politischen und jihadistischen Salafisten sind trotz aller Unterschiede die gleichen, etwa die Errichtung eines schariakonformen politischen Systems mit einem Kalifen als politische und religiöse Autorität an der Spitze. Sie streben damit die völlige Umgestaltung von Staat und Gesellschaft auf der Grundlage religiöser Normen an.
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